„Das hätte Lothar gut gefallen”

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Bericht aus der Rheinpfalz vom Montag, den 24. Oktober 2011:

„Das hätte Lothar gut gefallen”

SPD erinnert an den ehemaligen Pressesprecher der Bundespartei - Straßenfest mit Prominenz

Die Lauterer Sozialdemokraten hatten gestern dreifachen Grund zur Freude: Den Auftakt der Aktion „Rote Woche” verbanden Sie mit der Einweihung des neu renovierten Parteihauses in der Schubertstraße, einem Straßenfest und der Eröffnung einer Ausstellung über das Leben von Lothar Schwartz.

Mit Ministerpräsident Kurt Beck, Professor Dieter Stolte, Intendant des ZDF (1982 - 2002), und Friedrich Nowottny, Intendant des WDR (1985 - 1995), hatten SPD-Stadtverband, Unterbezirk und die Jusos Kaiserslautern Weggefährten von Schwartz ins Parteihaus eingeladen, denen es ein Bedürfnis war, aus unterschiedlichen Sichtweisen an einen guten Freund zu erinnern.

Schwartz, langjähriger Vertrauter Willy Brandts und von 1973 bis 1981 Pressesprecher des SPD-Bundesvorstandes, starb 82-jährig im Oktober vor einem Jahr. Er stammt aus Sembach und war auf dem Bännjerrück zu Hause. Obwohl sein politischer Blick weltweit reichte, habe Lothar Schwartz seine Heimat in der Pfalz gehabt, sagte Beck. Er sei ein wichtiger Ratgeber Willy Brandts „und von manch einem von uns” gewesen. Als Gast auf den jährlichen Pressefesten habe sich zwischen ihm und Schwartz eine respektvolle Freundschaft entwickelt. Sein angenehmes Wesen und die Art der Menschlichkeit während einer großen Politikperiode seien ansteckend gewesen, konstatierte Beck.

Ausstellung und Wiedereröffnung des Parteihauses demonstrierten in lebendiger Weise, dass man verankert sein müsse. „Es ist gut, wenn man weiß, wo man herkommt und wer die Wege mitgeprägt hat. Das gibt Kraft und Orientierung für den Blick nach vorne”, lobte Beck die neu gestaltete Wirkungsstätte der Kaiserslauterer Sozialdemokraten.

Stolte stellte seiner Würdigung von Schwartz zum besseren Verständnis eine medienhistorische Einordnung der Gründerzeit des ZDF Anfang der 60er Jahre voran. Schwartz, ein langjähriges Mitglied des ZDF-Fernsehrats, habe in seiner Funktion als Vorstandssprecher eine Schlüsselstellung im operativen Geschäft seiner Partei gehabt. „Und er machte robusten Gebrauch davon”, sagte Stolte. Schwartz habe dem Ausschuss Politik und Zeitgeschichte vorgestanden und sei maßgeblich an der Programmauswahl beteiligt gewesen, erinnerte Stolte. Der Fernsehrat, dem auch Gustav Heinemann und Helmut Kohl einst angehört hätten, sei eine Schule der Nation gewesen. Stolte würdigte seinen Freund als pfälzische Frohnatur, der gerne ein Glas Wein in der Hand gehabt habe und stets zu Scherzen aufgelegt gewesen sei. „Er war ein Kumpel, aber nicht jedermanns Darling”, hob Stolte hervor.

„Das hätte Lothar gut gefallen”, sagte Nowottny in dem für ihn bekannten verschmitzten Tonfall. Er hätte nach einer Mußbacher Eselshaut gerufen, einem unendlich trockenen Wein, den er gerne mit Freunden getrunken habe, erinnerte sich der aus Oberschlesien stammende Polit-Journalist. „Seine runden Geburtstage endeten meist als Sängerfeste.” „Lass uns zum Hexenbäcker gehen, solange ich die Treppen noch schaffe”, sei sein Wunsch gewesen. Nowottny würdigte Schwartz als einen kritischen Kopf, der als SPD-Sprecher Willy Brandt mit ganzem Einsatz zur Seite gestanden habe und mit Beharrlichkeit Argumente zu platzieren wusste.

Unter der SPD-Prominenz aus nah und fern konnte Unterbezirksvorsitzender Martin Lorenz eingangs auch Anneliese Schwartz, die Ehefrau des verstorbenen Journalisten, willkommen heißen. Neben der Fotoausstellung erinnert ein liebevoll arrangierter Arbeitsplatz mit seiner alten Schreibmaschine, seinen Lieblingszigaretten und einem Glas Whiskey an das Journalistenleben von Lothar Schwartz. (jsw)

 

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